Nizza 2017

9. Europäisches Seglerwintertreffen am Mittelmeer in Nizza vom 7.-12. März 2017 organisiert von Société des Amis de la Grande Aventure (SAGA)

Nizza…, wir kommen!

Nachmittags sind alle eingetroffen im zentral gelegenen Hotel Ambassador. Vom Zimmer aus erspähen wir das blaue Mittelmeer. Die letzten düsteren Wolken verziehen sich, als wir von Isabelle und Dominique nach herzlicher Begrüßung und Wellcome-Drink zur kleinen Stadtrundfahrt mit dem Ausflugsbähnchen geladen werden.

Es geht durch Gassen der Altstadt, über malerische Plätze, am Hafen vorbei den Schlossberg hinauf. Dort eine Verschnaufpause für das Bähnchen, ein perfekter Rundumblick zur ersten Orientierung für uns. Der Finger am Auslöser der Kamera ist permanent im Einsatz.

Der Panoramablick auf die Stadt, das Meer und die Berge lässt erkennen, dass Nizza extravagant und aufregend ist. Die Stadt liegt im Herzen einer der beliebtesten Regionen der Welt und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

In der Antike wurde die Stadt Nikaia ( griechisch: Sieg) zu einem strategischen Stützpunkt am Mittelmeer. 300 Jahre später richteten sich die Römer, die die Alpen beherrschen wollten, an diesem dafür idealen Standpunkt ein und bauten eine richtige Stadt mit Arenen, Thermen und dem Forum Cemenelum. Diese Expansion weckte Begierde, so wechselten sich über zehn Jahrhunderte Invasionen der Barbaren, Ligurer und Sarazenen ab und richteten Kultur und Gesellschaft zugrunde.

Danach übernahmen die Grafen der Provence die Herrschaft über die ehemals griechische Stadt und ab dem14. Jahrhundert n. Chr. hatte das Haus von Savoyen die Oberhoheit mit Unterbrechung bis 1860. Nach einem Volksentscheid unterzeichneten Napoleon III. und der König von Sardinien Victor Emmanuell II. den Vertrag von Turin und machten die Angliederung an Frankreich perfekt.

Abends lotst uns Dominique in ein kleines für nizzeanische Speisen bekanntes Restaurant, wo wir die erste von vielen feudalen Mahlzeiten mit literweise köstlichen Weinen genießen.

Mittwoch, 2. Tag:

Wir starten früh nach einem kleinen Frühstück. Am Hafen vorbei und über die Moyenne Corniche (Klippenstraße) bringt uns unser Privatbus nach Villefranche sur Mer. Dort führt uns Rita durch die Zitadelle aus dem 16. Jhd. Diese imposante Festung, von Emmanuel-Philibert von Savoyen zur Verteidigung der Stadt errichtet, beherbergt heute das Rathaus und mehrere Museen.

Der anschließende Rundgang durch die Altstadt beginnt mit der Rue Obscure, gelegen an der Stadtmauer. Für uns düster bis unheimlich diente sie früher als eine Art Verteidigungsweg für die Soldaten. Sehenswert ist die im romanischen Stil erbaute Fischerkapelle Sankt Petrus, die von Jean Cocteau 1957 mit Ereignissen aus dem Leben des Apostel Petrus gestaltet und seinen Freunden, den Fischern, gewidmet wurde.

Wir fahren weiter steile Serpentinenstraßen hoch zu dem mittelalterlichen Dorf Eze. Kopfsteinpflaster, enge Gassen, zahlreiche Treppen, kleinste Häuschen aus grauen Felsstein, schmucke Türchen, dazwischen Feigen- und Zitronenbäume, Kakteen und Rosen…. Unsere Beine und Augen werden nicht müde. Es geht immer weiter hinauf in den Jardin Exotique, angelegt mit über 100 verschiedenen Kakteenarten. Manche sehen aus wie aus Angora gestrickt, so flauschig und weich. Und auf dem Gipfel, 429m über NN, ragen Reste eines Schlosses in den Himmel. Der Panoramablick über die französische Riviera ist atemberaubend, der Himmel tiefblau und wolkenlos und 90 sm südlich erspähen wir die Insel Korsika mit seinen noch schneebedeckten Bergenrücken.

Das Mittagessen im Ort ist ein Genuss, der Rosé ein Muss!

Gestärkt geht es weiter in die Parfümerie Fragonard, wo wir Wesentliches über die Herstellung der Düfte erfahren und unsere Nasen testen können.

Der Bus bringt uns nach La Turbie, ein altes Dorf ohne Geschäfte und Restaurants. Entsprechend ruhig liegen die verträumten Gassen in der Sonne. Um den kleinen beschaulichen Ort rum führt ein Fußpfad und ermöglicht uns einen herrlichen Blick auf das Fürstentum Monaco.

Wir erkennen den Palast, das Spielkasino und den Hafen. Der Pfad endet am Tropaeum Augusti, ein Denkmal zum Ruhm des römischen Kaiser Augustus  seines Sieges über die Alpenvölker. Auf dem höchsten Punkt von La Turbie erbaut, beherrscht die Festung das Meer von San Remo bis Esterel und bekräftigt die Macht und den Schutz Roms. Steile Treppen fordern etwas Beinkondition , aber der Aufstieg lohnt sich. Ein grandioser Rundumblick erwartet uns, die alten Römer kannten sich aus!

Auf der Rückfahrt nach Nizza wählt unser kundige Busfahrer Erique eine Passstraße und legt einen Abstecher zur Zitadelle von Mont Alban ein, wo der Ausblick auf Nizza weitaus fantastischer ist als vom „Montagne“.

Vom Hotel sind es nur wenige Schritte in die belebte Altstadt und wieder hat Dominique ein wunderbares Restaurant für uns reserviert, wo wir aufs Feinste bewirtet werden.

Donnerstag, 3. Tag:

Wir begeben uns auf eine Entdeckungsfahrt durch Nizza. Unser erstes Ziel ist der Hügel von Cimiez. Dort besuchen wir die Franziskanerkirche und das angeschlossene Kloster. Der zugehörige Friedhof beeindruckt uns wegen seiner großzügigen Grabmäler und Mausoleen für die Verstorbenen, darunter Persönlichkeiten wie Henri Matisse und Raoul Duty. Im Klostergarten ist die Luft vom Duft vieler Blumenarten erfüllt.

Unser Spaziergang führt uns weiter durch Straßen mit prachtvollen Villen zum ehemaligen Hotel Regina.

Dieses wurde 1897 in nur 18 Monaten für die englische Königin Victoria erbaut. Die imposante Fassade steht für den Prunk der Belle Epoque. Dann kommen wir zum archäologischen Museum und der Ausgrabungsstätte Nizza-Cremenelum. Dieses Amphitheater gründete Kaiser Augustus 14 vor Chr. Ein kurzer Weg durch einen Park voller Olivenbäume führt uns zum Matisse-Museum in einer vollständig renovierten genuesischen Villa aus dem 17. Jahrhundert. Matisse lebte und arbeitete von 1917 bis 1954 in Nizza.

Nach so viel Kultur freuen wir uns auf das Mittagessen im Yachtclub von Nizza und werden wieder nicht enttäuscht.

Der Nachmittag führt uns zuerst in die russisch-orthodoxe Kathedrale Saint-Nicolas. Denkmalgeschützt ist sie das größte und älteste Bauwerk dieser Art außerhalb Russlands. Stilistisch orientiert sich die Kathedrale mit ihren zahlreichen goldenen Türmen und Kuppeln an den Kirchen  Moskaus, das Interieur ist reich geschmückt mit Ikonen, Fresken und Holzschnitzereien.

Wir kommen zur Villa „Massema“. Diese zählt zu den historischen Bauwerken der Stadt und ist ein architektonisches Juwel an der Prachtstraße „Promenade des Anglais“. Umgeben von einem Park mit herrlichem Baumbestand beherbergt sie ein Museum über die Geschichte Nizzas im 19. Jahrhundert.

Den Abend verbringen wir in einem weiteren netten Lokal in der Altstadt, wo uns Köstlichkeiten der Region geboten werden. Ein weiterer Tag im Paradies verbracht!

Freitag, 4. Tag:

Heute fahren wir zunächst in die Provence nach Grasse, dem Weltzentrum des Parfüms und zu unserer Überraschung dem Sitz der damaligen Admiralität der französischen Marine. Daher führt unser Besuch nicht zuerst in eine Parfümerie sondern in das Marinemuseum. Wir werden vom Präsidenten des Museums, ehemaliger Fregattenkapitän der Marine, begrüßt. Uns wird anschaulich die Involvierung von Admiral Grasse in dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erklärt. Dessen Glanzstück war die Schlacht gegen England in der Cheasepeek Bay und somit wird der Admiral in Amerika höher geschätzt als in Frankreich. An einem Schiffsmodell im Museum wird uns die Funktion des „Barmherzigkeitsankers“ erklärt….

Nach diesen vielen historisch kulturellen Eindrücken gehen wir in die Altstadt von Grasse. Gut betuchte Einwohner stellten ihren Reichtum nicht zur Schau, unliebsame Besucher wurden durch Fratzen mit ausgestreckter Zunge am Türrelief ferngehalten.

Im berühmten Parfümmuseum dürfen wir unsere Nasen testen und sind geruchsmäßig schnell überfordert. Nur berufsmäßige „Nasen“ können 1500 unterschiedliche Düfte erriechen. Weltweit gibt es 50 professionelle „Nasen“. Diese arbeiten etwa zwei Stunden am Tag. Nachteil: kein Alkohol, Tabak oder andere Rauschmittel. In früheren Zeiten wurden die zur Duftherstellung benötigten Blumen und Gräser an den Hängen von Grasse angebaut. Heute bringen Flugzeuge ausgewählte Blütenblätter aus Bulgarien, die Hänge sind jetzt bebaut.

Wir fahren weiter über eine fantastische Bergstraße zum Golfclub Claux-Amic, der uns zum Mittagessen erwartet. Kantine ist etwas anderes!

Über eine hochalpine Passstraße bringt uns Erique vom Golfclub der Superlative zum Bergdorf Gourdon, das 800m ü.NN. auf einem Felsen wie ein Nest klebt. Der steile Aufstieg zum Dorfzentrum wird belohnt mit heißer Schokolade oder Glühwein, da ja noch Winter ist (18 Grad). Die Aussicht ist unglaublich! Die Heimfahrt nach Nizza führt uns durch eine tiefe Klamm neben dem Gebirgsfluss Loup, so manches Herz rutscht ängstlich in die Hose….

Samstag, 5. Tag:

Wir gehen zu Fuß vom Hotel in die Altstadt. Viele Straßen sind für den erwarteten Zieleinlauf des Radrennens Paris-Nizza gesperrt. Nach der verheerenden Terrorattacke mit einem LKW auf der „Promenade des Anglais“ sind alle Sicherheitsmaßnahmen begrüßenswert. Personenkontrollen und LKW-Sperren sind eine notwendige und gute Einrichtung.

In der Altstadt begrüßt uns der Blumen- und Gemüsemarkt. Die Farbpracht und das Angebot sind überwältigend. Wir schlendern durch die Gassen, besichtigen prunkvolle Kirchen, häufig versteckt hinter  schlichten Fassaden und erklimmen ein weiteres Mal den „Montagne“, per Lift oder über zahlreiche Treppenstufen. Die Walking App zeigt 18 Stockwerke an. Auf dem Berg liegt der Ursprung Nizzas.

Zurück in der Altstadt genießen wir ein typisches Mittagessen, „Socca“, allerlei in Teig gebackenes Gemüse und Fisch. Wieder darf der Rosé nicht fehlen. Die Tage in Nizza und die zahlreichen Informationen wurden von unserem Stadtführer Jean-Louis geprägt. Sein geballtes Wissen und seine charmante Art der Mitteilung haben uns sehr beeindruckt. Vielen Dank dafür.

Für den Nachmittag teilt sich die Gruppe zum Besuch des Chagall Museums oder des Museums „Moderne Kunst“. Andere fahren zum Club Nautique Nice zum Segeln. So kommt jeder auf seine Kosten.

Der Abschlussabend findet im Clubhaus des CNN statt. Aperitif und Begrüßungsreden gibt es auf der Balkonterrasse vor der beleuchteten Kulisse von Nizza. Nach einem exzellenten Menu im Yachtclub führt uns Dominique zur Überraschung des Abends. Wir besuchen das Casino von Nizza, in dem uns eine spektakuläre Tanzshow bei Champagner geboten wird. Hans-Jürgen lässt sich vom Casino animieren eine Runde zu zocken….und gewinnt! Champagner für die ganze Gruppe, danke Hans-Jürgen!

Isabelle, Dominique und Jean-Louis haben ein wunderbares, perfekt organisiertes Programm auf die Beine gestellt. Tausend Dank dafür!

Vielleicht motiviert dieser Bericht den ein oder anderen zur Teilnahme an zukünftigen Veranstaltungen.

Es lohnt sich!

 

 

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