ICCY Treffen 2016 in Rostock  

oder

 „ Mein Praktikum auf der SY Pusteblume

 

Es begann mit einer Whatsapp kurz vor Mitternacht.

 

Elvira fragt an, ob wir nach Rostock kommen, wir sind auf die Pusteblume eingeladen, aus dem Tiefschlaf gerissen, sage ich ja.

 

Am nächstem morgen meint Wolfgang -  wenn wir einen Tag früher fahren, vielleicht können wir den  Beiden noch ein wenig zur Hand gehen. Es bleibt uns nur die Möglichkeit, die knapp 1000 km, über Nacht zu fahren, mein Chauffeur macht das, aber 2 mal „Sanifair“ und einmal tanken, muss sein. Um 8 Uhr rief Elvira schon an, der Kaffee ist fertig und der Parkplatz gerade frei. Ein Stündchen noch.

 

An Bord war mein erster Gedanke, bin ich auf einer Segelyacht, oder auf einem Lastkahn?

Aus allen nur möglichen Ecken musste die gesamte, „mitgesegelte“ Ausrüstung, in gebückter Demutshaltung, von Bord gezerrt werden. Freiwillige vor, die Fahnenmasten zusammen bauen und aufstellen. Wohin mit den Zeltstangen, den Säcken mit dem Zelt… und da müssen noch die 3 Tische raus…endlich Platz!

 

Da werden schon die Kisten mit den „Welcome Tüten“ geliefert. Alles wieder an Bord. Die Sonneneinstrahlung ist für die Wurst nicht gut, alles wieder runter unter Deck, aber wohin? Wir müssen noch Sekt besorgen, kurze Hochrechnung, 30 Flaschen, das wird der Einkaufswagen schon schaffen!  Das wäre das kleinste Problem gewesen…30 Flaschen ohne Vorbestellung… bis morgen, unmöglich. Nur die Hausmarke…das können wir Klaus nicht antun, er hat eine Rotkäppchen Phobie! (Wird doch nicht ein traumatisches Erlebnis aus Kindertagen dahinter verborgen sein?) Recherche im Netz, Getränkemarkt in 8 km Entfernung. Hinsegeln? Zum Glück haben wir ein Auto. Zeitaufwand im Rostocker Feierabendverkehr 1 ½ Stunden. Und wo verstauen wir die Kisten nun wieder? Unterm Tisch. Wir können ja abends essen gehen und zum Frühstücken die Beine anziehen.

Gesagt, getan.

 

Kurz vor Mitternacht zog ich mir den Schlafsack über den Kopf, meine 24 Stunden waren voll. Und schon gab`s  Ärger, ich hatte meinen Schlaftrunk verweigert…also wieder raus.

 

Warmen Schampus können wir nicht ausschenken, also wieder Kisten schleppen und andere Schiffe um Kühlung bitten. Männer das Zelt muss aufgebaut werden. Die Tüten müssen beklebt werden. Die Kisten mit den Präsenten von Bord in`s Zelt schleppen. Die Tüten packen, orange für die Mädels, blaue für die Buben. Flaggen falten und mit den Plaketten eintüten, Plaketten fehlen, kann nicht sein, kontrollieren, alles immer mal 70 zig. Die Namensschilder anbringen, noch mal orange Mädels, blau Buben, ist das ein weiblicher oder männlicher Vorname? Blaue Tüten fehlen…noch mal das Schiff durchsuchen…alles da. Heute qualmt mein Schrittzähler, die Handgelenkarthrose juchzt und ich lerne was „Rücken“ ist.

 

An Bord gibt´s keine Ruhe, der Reiseführer kommt zur Besprechung,  die Presse steht da, die Teilnehmer trudeln ein, die Quäke schreit, das Handy klingelt und von Land ruft´s… Klaus hier, Klaus da, Klaus wo, Klaus wie… und jeder kriegt ne Antwort.

Wusste gar nicht, dass „DER“ Klaus so eine Geduld hat - nach außen,  Respekt.

 

Nun noch formale Kleidung anlegen - wollte doch noch mal bei Wikipedia rein schauen …  was das überhaupt ist!?!

 

Jetzt aber, Flaschen wieder einsammeln, Sektgläser richten und „just in time“ die Gläser gefüllt haben.

 

Der Lokschuppen ist eine kulinarische Erholung.

 

Nur, wer steht morgen früh für den Brötchen-Service freiwillig um 6.15 Uhr auf…?

 

Am Schlaftrunk komm ich wieder nicht vorbei…und der Wecker im Handy ist gnadenlos.

Elvira, Silke und ich machen uns auf den Weg, kurzer Check, wie viel Volumen und auch Gewicht haben 140 Brötchen? Schaffen wir das? Sind die Brötchen auch fertig? Schließlich musste Elvira im Vorfeld, einige Bäckereien vergebens abklappern, um überhaupt irgendwo morgens um 7 Uhr 140 Brötchen zu ordern, geschweige geliefert zu bekommen. Ja, sie waren jeden Morgen pünktlich fertig. Erwähnen muss ich dabei, dass die Verkäuferin vom „Back Hus“ jeden morgen eine halbe Stunde früher (ohne Bezahlung und das in der Branche „Mindestlohn“ - ihr Chef wird es nie erfahren) angefangen hat, um uns unsere Brötchen zu backen. Danke!

 

Dass wir in der ehemaligen DDR sind wurde uns bewusst als wir zum Hafen zurück kamen… vor der Pusteblume bildete sich schon eine Schlange… im Tüten packen (wie viel Personen auf welchem Schiff) wurden wir jeden Tag schneller…bis dann die Sonderwünsche kamen…der eine mag nur helle, der andere nur dunkle Brötchen…hey, wisst ihr überhaupt wie viel Aufwand hinter dem Service stand? Wir sind gern für euch, während wir gefrühstückt haben, an Deck geklettert.

 

Im Doberaner Münster war ich schon erstaunt, sind wir doch fast alle schon im „Knackalter“, wie eisern die 122 Stufen ins Gewölbe erklommen wurden. Auf dem Weg zum Bahnhof kamen wir dann, glücklicherweise, an der Klosterbrauerei NICHT vorbei. Das beste Bier ist aber immer noch das Freibier, diesmal von der Mollybahngesellschaft, trotz dass  es beim „Essen fassen“ Ungereimtheiten gab. „Rien ne va plus“, hieß es dann im Seebad Kühlungsborn, nachdem ein Scherzkeks mittels eines Knopfdrucks, die Busse lahm gelegt hat. Das Funknetz glühte, neue Busse(?), der Zeitplan(!), wo bekommen wir noch eine Pute her (Unverträglichkeit von Schwein eines Teilnehmers), im Rostocker Yachtclub ist der Grill schon auf Temperatur… Aufatmen, die Hotline verweist auf ein Reset…der blockierende Bus lässt sich wieder starten! Doch noch pünktlich, konnten wir bei den Freunden auf der anderen Seite der Warnow, einlaufen. Wieso haben 2 nur den Start verpasst? Die Steaks und Würste waren lecker, die Butterbrote eine Delikatesse, das Bier gut gekühlt und zu fortgeschrittener Stunde wärmte der Jägermeister ausgiebig.

Kein Grund, den Schlummertrunk zu verweigern.

 

Der Sprint zum „Waschhaus“ im Morgengrauen vertreibt die „Kopflastigkeit“, die Brötchen rufen.

 

Der Ausflug nach Rügen lief nach Plan, toll wie die Gastronomie in kürzester Zeit 70 Gäste versorgt, war super organisiert! Dazwischen aber auch mal ein dickes Lob für unseren Reiseführer  Tom Thielk

 

Die Bewirtung der Gäste auf den TYvD Yachten ist auch nicht sooo einfach, ich will den, ich will den nicht, wenn der da, da könnte doch die…da einen Plan machen???

Als die Platten geputzt und die Flaschen geleert waren, konnten sicher alle zufrieden den Schlummertrunk genießen. Nur, es hat schon wieder keiner die Flaggen runter genommen!

 

Heute, am letzten Tag ist der Zeitplan überschaubar, Rostock per pedes interessant, der Imbiss in der Brauerei o.k., bis auf, schon wieder Pute…Leute, wie soll man 70 Geschmäcker treffen, und das Budget nicht vergessen?

Der Nachmittag dient dann der Wasserversorgung, Wasser ja, Wasser nein, Wasser doch… Hydrant an Bord, Hydrant von Bord, Hydrant an Bord.

 

Die Tischordnung für den Galaabend, Teilnehmer sagen zu, sagen ab, sagen wieder zu und immer muss der Plan geändert werden. Dann wieder, nicht neben dem und nicht da, aber auch nicht dort…Dann aber, die Tanzfläche ist voll… kein schlechtes Zeichen, und der doppelte Rostocker Kümmel macht den frühen Heimweg kürzer.

 

Und die Nacht ist es auch wieder, kurz. Keine Brötchen, dafür ruck zuck die Koje räumen, und die formale Kleidung nicht vergessen! Die Zeltstangen, Zeltsäcke, die Fahnenstangen, die Tische, alles muss wieder an Bord seefest gemacht werden. Und wer hilft beim ausräumen? Wir nicht. Dafür genießen wir zum Abschluss den tollen Brunch im Lokschuppen.

 

Wir hatten in Rostock tolle Tage mit Freunden und die Leber wird sich sicher wieder regenerieren.

 

Trotz, dass so ein Event im Vorfeld gut und aufwendig organisiert werden muss zeigt mein Bericht, ein wenig mit Humor geschrieben, wie viel full time Job noch in den täglichen Kleinigkeiten steckt. Wir sagen jedem der sich dafür bereit erklärt einfach mal -  Danke.

 

Gemeckert ist schnell, und dazu fällt mir dann ein alter Spruch aus unserer Region ein, als das WC noch nicht erfunden war.

 

Die Übersetzung:

Scheiss`sesch  auf`s  Brett isch`s  nix, und scheiss`sesch daneben isch`s  au nix...

 

Alles Gute bis zum nächsten Mal.

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